Erdverlegte Rohrleitungen (Gas-, Wasser-, Fernwärme etc.), Kabelleitungstiefbau und Netzausbau - die bbr ist dran.

Die bbr berichtet zu allen Aspekten der Trinkwassergewinnung, des Brunnenbaus, der Inspektions- und Regeneriertechnik.

Oberflächennahe und tiefe Geothermie sowie Bohrtechnik bilden einen Schwerpunkt in jeder bbr-Ausgabe.

Berücksichtigung finden interessante Maßnahmen und Verfahren im Bereich Spezialtiefbau.

Berichtet wird über alle Aspekte der Bereiche Transport (inkl. Trinkwasserbehälter) und Aufbereitung von Trinkwasser.

12.07.2017

Unterirdischer Vortrieb des Abwasserkanals Emscher fertiggestellt

Mit dem Durchstich der beiden Tunnelbohrmaschinen in ihre finale Zielgrube hat die Emschergenossenschaft am 12. Juni die unterirdischen Vortriebsarbeiten für den Abwasserkanal Emscher (AKE) abgeschlossen.


Der Abwasserkanal Emscher besteht aus Stahlbeton-Kanalrohren mit Innendurchmessern zwischen 1,6 und 2,8 m. © Emschergenossenschaft

Gestartet war der Kanalbau für die künftige abwassertechnische Hauptschlagader des Reviers im September 2012 in Dortmund-Mengede. Die Ankunft im Zielschacht erfolgte nun in Oberhausen in rund 40 m Tiefe – drei Meter unterhalb des Meeresspiegels. Einmal in Betrieb genommen, wird der AKE in einigen Jahren trennen, was nicht zusammengehört: Sauberes Fluss- und Regenwasser wird offen in und durch die Emscher fließen, das Abwasser dagegen unterirdisch im Kanal transportiert. Der AKE ist insgesamt 51 km lang und reicht von Dortmund bis Dinslaken. Aktuell wurden bislang knapp 47 km verlegt – die Restdistanz bis zum Klärwerk Emschermündung wird „nur“ noch in offener Bauweise und relativ oberflächennah gebaut.
Im Bereich des aktuellen Bauabschnittes 40 von Bottrop-Süd bis Oberhausen-Biefang hat die Emschergenossenschaft gemeinsam mit dem von ihr beauftragten Tunnelbauunternehmen PORR eine rund 10 km lange Doppelrohrtrasse verlegt – insgesamt wurden hier 20 km Kanal aufgefahren. Aus diesem Grund stießen auch zwei Maschinen nebeneinander durch die Betonwand der Zielgrube. Anders als in den Bauabschnitten 20 und 30 wurde der AKE hier nicht im reinen Rohrvortrieb verlegt, sondern im sogenannten Tübbingausbau.
Der Abwasserkanal hat ein Gefälle von 1,5 Promille. Wäre er von Dortmund aus komplett durchgelaufen, würde er in Dinslaken in rund 80 m Tiefe ankommen – zu tief, um das Abwasser direkt in das benachbarte Klärwerk einleiten zu können. Also muss es auf der Strecke gen Westen mehrfach gehoben werden. Diese Funktion erfüllen drei gigantische Pumpwerke. Die Anlagen in Gelsenkirchen und Bottrop sind bereits im Bau und werden in diesem Herbst fertiggestellt. Das dritte Pumpwerk entsteht in Oberhausen in genau der Baugrube, die beiden Bohrmaschinen als Zielschacht diente. Das Abwasser wird hier gehoben und anschließend über den letzten Abschnitt des AKE – nun oberflächennah, aber dennoch unterirdisch – in das Klärwerk in Dinslaken eingeleitet. Dort wird das Abwasser gereinigt und wieder der Emscher zugeführt, bevor diese dann in den Rhein mündet.