Geothermieanlage Kirchstockach © SWM

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90% Ökostrom, Abschied von Kohle und Kernenergie

Deutlich vor Fukushima und der deutschen Entscheidung zum Atomausstieg hat die Stadt München die Weichen für eine klimafreundliche Energiezukunft gestellt. Die SWM haben seit 2009 den Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent vorangetrieben – die sichere und klimaschonende Versorgung der Millionenstadt immer vor Augen. Mit ihren Projekten in München und der Region, in Deutschland und in Europa haben sie das gesetzte Ziel, ab 2025 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen zu erzeugen, wie München verbraucht, schon heute nahezu erreicht. Von dem fundamentalen Umbau der konventionellen Stromerzeugung auf erneuerbare Energien profitieren nicht nur die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, sondern durch die CO2-Vermeidung auch das globale Klima. Dahinter stehen jedoch nicht nur der entschlossene Wille der Landeshauptstadt, sondern auch milliardenschwere Investitionen.

 

Mit der Ausbauoffensive Erneuerbare Energien haben die SWM ihre Ökostromproduktion von rund 350 Mio. kWh auf inzwischen 6,3 Mrd. kWh pro Jahr gesteigert. Damit werden ab dem Jahr 2022 rund 90% des gesamten städtischen Stromverbrauchs abgedeckt, also von Haushalten, Gewerbe, Industrie, öffentlichem Sektor sowie U-Bahn-, Tram- und E-Bus-Betrieb. Dies ermöglichen rund 60 Ökostromanlagen in und um München, darunter Wasserkraftwerke, Photovoltaikanlagen, Wind- und Geothermiekraftwerke sowie ein Biomasse-Heizkraftwerk. Hinzu kommen in Deutschland und Europa Onshore- und Offshore-Windparks, Solarparks sowie ein Solarthermiekraftwerk. Die Verantwortlichen bei SWM sind zuversichtlich, im Jahr 2025 100% Ökostrom für ganz München zu erreichen. Doch auch die letzten zehn Prozent erfordern noch viel Engagement. Zudem gehen Prognosen davon aus, dass in den Jahren danach der Strombedarf ansteigen wird, vor allem aufgrund der E-Mobilität und des vermehrten Einsatzes von Wärmepumpen.

 

Erdgas überbrückt Kohleausstieg – Perspektive Wasserstoff

Am Standort in Unterföhring werden Strom und Fernwärme im umweltschonenden Kraft-Wärme-Kopplungsprozess erzeugt. Dabei werden die eingesetzten Energieträger, derzeit Müll und Kohle, bestmöglich zur Strom- und Fernwärmeerzeugung ausgenutzt. Ein wichtiger Baustein der SWM Klimastrategie ist der schnelle Ausstieg aus der Kohlenutzung im Heizkraftwerk Nord (Block 2), um den CO2-Ausstoß deutlich zu senken. Die Herausforderung dabei: Block 2 ist laut Bundesnetzagentur stromseitig systemrelevant, darf also nicht ersatzlos abgeschaltet werden. Zudem ist der Betrieb des HKW Nord für die zuverlässige Münchner Fernwärmeversorgung unverzichtbar. Hierzu Helge-Uve Braun, Technischer Geschäftsführer bei SWM: „Um trotz dieser Herausforderungen einen raschen Kohleausstieg auch im Sinne des Bürgerbegehrens von 2017 realisieren zu können, prüfen wir die Möglichkeit einer Umrüstung des Blocks 2 auf Erdgas. Dazu führen wir schon seit geraumer Zeit Tests durch, die die geänderte Fahrweise berücksichtigen. Die ersten Ergebnisse dieser Untersuchung stimmen uns zuversichtlich und gehen davon aus, dass wir bereits zur Heizsaison 2022/23 den Kohleblock auf Erdgas umstellen und uns damit in München von der Kohlenutzung endgültig verabschieden können. Den Einsatz von Erdgas sehen wir als notwendige Brückentechnologie, außerdem ist der Standort aufgrund der bestehenden Infrastruktur bestens geeignet. Die längerfristige Zukunft dieses Standorts wird in absehbarer Zeit eine erneuerbare sein. Möglich sind neben dem Einsatz von Wasserstoff auch die Nutzung von Geothermie sowie der Betrieb von Wärmespeichern.“

 

Neuausrichtung der Spirit Energy und Ende von AKW Isar 2

Das Gasförderunterunternehmen Spirit Energy, an dem die SWM und die Bayerngas gemeinsam 31 % halten, wird neu ausgerichtet. Es hat 2021 den Verkauf seiner norwegischen Gas- und Ölfelder und eines britischen Feldes eingeleitet, er wird im Jahr 2022 abgeschlossen sein. Mit dem Verkauf werden nahezu alle Felder mit einer anteiligen Produktion von Öl abgegeben. Damit reduziert die Spirit Energy ihre Ölförderung um rund 95%. Das verbleibende Geschäft soll mit einer geänderten Strategie weitergeführt und auf die Anforderungen der Energiewende ausgerichtet werden – auch in Richtung Wasserstofferzeugung und -speicherung.
Am 6. Juni 2011 beschloss die Bundesregierung das Aus für acht Kernkraftwerke und einen stufenweisen Atomausstieg bis 2022. Isar 2 wird als letzter Meiler am 31.12.2022 stillgelegt. Der Rückbau der Anlage soll 2023 beginnen und voraussichtlich 2039 enden. Die Kosten dafür sind vollständig über Rückstellungen der SWM gedeckt.

 

Weitere Informationen:

www.swm.de