Die Taucher betonierten unter Wasser den Grund eines gut 20 m tiefen und 3,5 m breiten Schachts © SWM/www.commercialdiving.de

| Energie Brunnenbau

Taucher im Einsatz für innovative Wärme- und Kälteversorgung

Wo immer es geht, ermöglichen die Stadtwerke München (SWM) Home-office. Allerdings ist das bei manchen Aufgaben nicht möglich, etwa beim Trambahnfahren, beim Sicherheitsservice – oder beim Unterwasser-Betonieren. Für Letzteres wurden dieser Tage Taucher zu einem Spezialeinsatz in die Balanstraße geschickt: auf eine Fernkälte-Brunnenbaustelle in einem Wohngebiet in Ramersdorf. Die Taucher betonierten dabei unter Wasser den Grund eines gut 20 m tiefen und 3,5 m breiten Schachts, der später als Horizontalfilterbrunnen ein 2 km langes Fernkältenetz mit Grundwasser versorgen wird.

Für neue Bürogebäude erstellen die SWM hier derzeit die Wärme- und Kälteversorgung. Dafür wird auch die Energie des Grundwassers genutzt. SWM Projektleiter Immanuel Pache: „Im Schacht steht das Grundwasser etwa 6 m hoch. Bevor er für den Ausbau zum Brunnen leer gepumpt werden kann, müssen die Taucher die Schachtsohle betonieren. Damit wird verhindert, dass es durch den umgebenden Wasserdruck zu einem Grundbruch kommt. Erst dann können wir mit dem Brunnenbau fortfahren.“

 

Ein besonderer Tauchgang

Auch für die Taucher war der Einsatz mitten in einem Wohngebiet nicht alltäglich. Als Profis wickelten sie ihn aber versiert und schnell ab. Die winterliche Kälte machte ihnen dabei nichts aus. Rudolf Hattenkofer, Projektleiter der Taucherfirma: „Das Grundwasser hat immer Plusgrade. Deshalb wird es schließlich zum Wärmen oder Kühlen genutzt. Den Taucher im Wasser friert es also am wenigsten. Er trägt zudem einen Neoprenanzug, darunter wärmende Wäsche. Helm und Handschuhe halten auch trocken. In Summe ist das ein ganz angenehmes Arbeiten – im Gegensatz zu den Kollegen, die an der Oberfläche bei Minusgraden im Schnee stehen.“

Für die SWM ist es das erste Mal, dass ein Horizontalfilterbrunnen bei der Fernkälte zum Einsatz kommt. Dieser leistungsfähige Brunnentyp kommt aus der Trinkwassergewinnung. Horizontale Rohre („Filter“) in der wasserführenden Schicht sammeln das Wasser und leiten es zu einem zentralen Schachtbauwerk. Das Münchener Versorgungsunternehmen nutzt das Prinzip schon seit über 100 Jahren, etwa beim Hauptsammelschacht Reisach („Reisacher Wasserschloss“). In Ramersdorf steht nun die Energie des Wassers im Fokus. Um Kälte und Wärme bereitzustellen, wird oberflächennahes Grundwasser der Münchner Schotterebene genutzt – aus der der wasserführenden Bodenschicht wird es über ein eigenes Netz zum Kunden und geleitet und im Anschluss wieder in den Aquifer zurück. Dabei wird es nicht verändert, es ist nur geringfügig wärmer oder kälter. Der Horizontalfilterbrunnen ist dabei einer von insgesamt fünf Brunnenanlagen, die das Wasser entnehmen und wieder einspeisen.

Die Arbeiten am Fernkältenetz Balanstraße sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Daneben bauen die SWM die Fernkälte auch an anderen Stellen in der Stadt aus. Denn die Nachfrage nach energieeffizienter und klimafreundlicher Kühlung steigt in ganz München. Der zusätzliche Wärmebezug aus Grundwasser kann ein weiterer Baustein für das Gelingen der Münchner Wärmewende sein, vor allem in Bereichen, die nicht mit Fernwärme erschlossen sind.

 

Weitere Informationen:

www.swm.de/fernkaelte

www.swm.de/energiewende