IKT-Warentest: Prä­pa­ra­ti­on von Schäden an einer Teststrecke im IKT-Großversuchsstand. © Henning Winter/IKT

| Leitungsbau

IKT-Warentest „Sanierungsverfahren für Abwasserdruckleitungen“ kann starten

Bezüglich der Sanierung von Druckleitungen besteht aktuell noch erheblicher Untersuchungsbedarf. Am Markt angebotene Techniken weisen noch Grenzen auf und es fehlt an neutralen Informationen zur Einbaubarkeit, zum Einsatzbereich sowie zu den Anwendungsgrenzen der einzelnen Verfahren und Produkte. Am IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH wurde daher der Warentest „Sanierungsverfahren für Abwasserdruckleitungen“ entwickelt, der vor Kurzem den Förderbescheid erhalten hat. Das IKT sucht nun noch Netzbetreiber, die sich inhaltlich und finanziell beteiligen.

 

Die Herausforderung

„Bei Abwasserdruckleitungen gehen wir von einem hohen Sanierungsbedarf aus“, umreißt Projektleiter Markus Gillar die Problematik. „In der Vergangenheit wurden häufig anfällige Rohrmaterialien verwendet. Und viele Leitungen haben inzwischen ein hohes Alter erreicht.“ Doch Abwasserdruckleitungen machen es Netzbetreibern und Sanierern nicht gerade leicht: Oft fehlen Zugangsmöglichkeiten, Bögen bis zu 90 Grad und kleine Nennweiten erschweren die Sanierung, häufig sind Leitungsverläufe nicht exakt bekannt und einiges mehr. Trotz dieser Schwierigkeiten rücken grabenlose Sanierungstechniken mit ihren ökonomischen und ökologischen Vorteilen gegenüber der offenen Bauweise bei Netzbetreibern immer stärker in den Fokus, da sie in der Regel nur geringe Beeinträchtigungen an der Oberfläche verursachen.

Der Untersuchungsbedarf

Projektleiter Markus Gillar: „Beim Thema Sanierung von Druckleitungen besteht erheblicher Untersuchungsbedarf.“ Am Markt werden inzwischen einige grabenlose Sanierungsverfahren für Abwasserdruckleitungen angeboten. „Hier besteht aber noch ein erheblicher Untersuchungsbedarf, da solche Techniken gewisse Grenzen aufweisen, speziell wenn es um die Themen Bogengängigkeit und kleine Durchmesser geht“, schildert Gillar. Zum einen fehlen neutrale und unabhängige Informationen über die generelle Einbaubarkeit, den Einsatzbereich und die Anwendungsgrenzen der einzelnen Verfahren und Produkte. Zum anderen gibt es derzeit kaum Erfahrungen mit Sanierungsmaßnahmen bei Abwasserdruckleitungen.


Beim IKT-Warentest stehen deshalb insbesondere auch sanierungsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen im Mittelpunkt, wie die auf den konkreten Anwendungsfall abgestimmte Auswahl von Sanierungtechniken, die Durchführung von Qualitätssicherungsmaßnahmen und die Vorflutsicherung während der Bauausführung.

Das Ziel

In den Großversuchsstand können Teststrecken im Maßstab 1:1 eingebaut werden. Ziel des Vorhabens ist es, die kommunalen Netzbetreiber bei der Wahl eines geeigneten grabenlosen Sanierungsverfahrens für Abwasserdruckleitungen zu unterstützen und Sicherheit bei der Ausschreibung, Bauausführung und Qualitätsüberwachung zu geben.


Im Rahmen des IKT-Warentests werden in Zusammenarbeit mit einem projektbegleitenden Lenkungskreis aus kommunalen Netzbetreibern Prüfanforderungen und Prüfkriterien definiert und ein Prüfkonzept für vergleichende Untersuchungen entwickelt. Das Prüfkonzept wird in Labor-Untersuchungen umgesetzt. Im Großversuchsstand des IKT werden an einer Teststrecke aus Druckrohrleitungen verschiedene Schadensbildern eingebaut. Anschließend werden hier grabenlose Sanierungsverfahren von unterschiedlichen Anbietern unter gleichen Randbedingungen getestet.


Im Vordergrund der Untersuchungen stehen Druckleitungsliner für Nennweiten von DN 100 bis DN 400, da diese in der Praxis am häufigsten Anwendung finden. Mithilfe von In-situ-Untersuchungen an Abwasserdruckleitungen bei den Netzbetreibern vor Ort werden einerseits das Prüfkonzept untermauert und andererseits die Beobachtungen im Labor auf Plausibilität geprüft.

Der Nutzen

Der IKT-Warentest bietet den teilnehmenden Netzbetreibern vielfältigen Nutzen:

  • Marktübersicht über Produkte und Anbieter sowie Überblick über den derzeitigen Stand der Normen und Regelwerke
  • Informationen über die Einsatzmöglichkeiten und -grenzen von Sanierungsverfahren für Abwasserdruckleitungen und Aussagen zur technischen Leistungsfähigkeit als Grundlage für Investitionsentscheidungen
  • Mitwirkung bei der Entwicklung eines Prüfkonzepts und Aufstellen eines Leistungsspektrums für Druckleitungsliner
  • Vergleichende Untersuchungen an acht sanierten Abwasserdruckleitungen im Maßstab 1:1 im Labor (IKT-Großversuchsstand)
  • In-situ-Untersuchungen an zehn Abwasserdruckleitungen (Inspektion und Sanierung) mit wissenschaftlicher Begleitung
  • Erkenntnisse aus Inspektionen von zehn privaten Abwasserdruckleitungen (< DN 100) und Festlegung möglicher Sanierungsoptionen
  • Hinweise zur Qualitätssicherung bei Sanierungsmaßnahmen von Abwasserdruckleitungen und Empfehlungen für Ausschreibung, Vergabe, Bauüberwachung und -abnahme
  • Handlungsempfehlungen für Netzbetreiber zur Reinigung, Inspektion und Sanierung von Abwasserdruckleitungen
  • Wissens- und Erfahrungsaustausch mit anderen Netzbetreibern im Rahmen von Lenkungskreissitzungen

Netzbetreiber gesucht!

In regelmäßigen Lenkungskreissitzungen entscheiden die Teilnehmer u. a. über die Prüfanforderungen. Für dieses Vorhaben wurde beim Land Nordrhein-Westfalen von der Stadt Bottrop in Zusammenarbeit mit dem IKT ein Förderantrag eingereicht, der jetzt bewilligt wurde. Mit Blick auf den zu erbringenden Eigenanteil werden daher weitere Netzbetreiber gesucht, die sich im Rahmen des Vorhabens sowohl inhaltlich als auch finanziell einbringen wollen. Durch den Verbund beteiligter Netzbetreiber wird die Wirkung der einzelnen Teilnahmebeiträge um ein Vielfaches erhöht (sogenannter „Fördermittel-Hebel“). Die Kosten für die Teilnahme sind ansatzfähig für die Abwassergebühren.

Projektkenndaten

  • Projekttitel: IKT-Warentest „Sanierungsverfahren für Abwasser­druck­leitungen“
  • Projektlaufzeit: 24 Monate
  • Antragsteller: Stadt Bottrop
  • Forschungsdienstleister: IKT ‑ Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH
  • Projektbeteiligte: eine Gruppe von 15 Netzbetreibern
  • Teilnahmebeitrag je Netzbetreiber: 20.000 Euro (brutto)

Ansprechpartner ist  Projektleiter Markus Gillar, Tel.: 0209 17806-46, E-Mail: gillar@ikt.de

Weitere Informationen

www.ikt.de