bbr 10/2014

 

Fachbeiträge der Ausgabe:

Gesamtheitliche Kanal-TV-Inspektion als Basis zur Sanierungsplanung

Täglich werden viele Kanäle erneuert, repariert oder saniert. Eine nachhaltige Kanaluntersuchung ist in den wenigsten Fällen Basis für eine gesamtheitliche Sanierungsplanung. Gesamtheitlich heißt, dass alle Rohre, also auch die Anschlusskanäle, genauestens untersucht und in der Lage vermessen sind bzw. in 3D dargestellt werden. Der Einsatz eines Kamerasystems mit elektronischer Lagevermessung, welches auch verzweigte Hausanschlüsse untersuchen kann, ist hierfür unabdingbar. Vorgestellt wird ein Modellprojekt zur Sanierungsplanung von Abwasserleitungen in der Sächsischen Gemeinde Weinböhla, bei dem im Rahmen einer Kanal-TV-Inspektion 3D-Technik zur Erfassung von Haupt- und Anschlussleitungen eingesetzt wurde.

Autorin: Anke Gottschalk (IRS – Sachsen, Ingenieurgesellschaft für Rohrleitungssanierung mbH Sachsen)
 

Sanierung privater Kanäle

Es steht schlecht um die privaten Leitungsnetze: Fachleute aus der Grundstücksentwässerung sprechen davon, dass rund die Hälfte der privaten Kanäle beschädigt sind. Verschiedene Sanierungstechniken stehen zur Auswahl. Ziel bei der Sanierung der Grundstücksentwässerung ist, dichte, standsichere und betriebssichere Abwasserleitungen über eine angestrebte Nutzungsdauer herzustellen.

Autor: Sebastian Beck (IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur gGmbH)
 

Ein „großes Maul“ aus GFK für Unnas Kortelbach-Sammler

Der Kortelbach-Sammler ist ein vor Jahrzehnten verrohrter und ins Kanalnetz der Stadt Unna integrierter begehbarer Maulprofil-Kanal. Schwerste Schäden und problematische Randbedingungen machten ihn zu einem dringlichen Sanierungsfall auf höchstem technischen Niveau. Die Sanierung durch ein Relining mit maßgefertigten GFK-Profilen setzte eine unterirdische Umleitung der Vorflut ebenso voraus wie eine teilweise Erneuerung der Bauwerkssohle: eine extreme Herausforderung für Planung, Projektvorbereitung und Baudurchführung.

Autor: Volker Schmidt (SMG Bautenschutztechnik für Hoch und Tiefbau GmbH)
 

Berstverfahren – Neuerungen im RSV-Merkblatt 8

Das Berstverfahren dient der grabenlosen Erneuerung von Rohrleitungen in gleicher Trasse. Hierzu wird die vorhandene Rohrleitung zerstört und in das umgebende Erdreich verdrängt. Gleichzeitig wird dabei ein neues Rohr von gleichem oder größerem Durchmesser eingebracht. Diese allgemeine Verfahrensbeschreibung kann gerade von Planern sehr weit ausgelegt werden. Deshalb wurde es erforderlich, im RSV-Merkblatt 8 bestimmte Voraussetzungen für den Einsatz des Berstverfahrens dynamisch wie hydraulisch zu präzisieren. Unter anderem wurden Ausführungen zum Thema Bodenansprache, Mindestüberdeckungen und Abstände zu Nachbarleitungen sowie Neurohrmaterialien aktualisiert.

Autor: Horst Zech (RSV-Rohrleitungssanierungsverband e. V.)
 

Würzburg testet erstmals GFK-Einzelrohr-Lining

Bei einer Überprüfung der Kanäle im städtischen Netz von Würzburg wurden u. a. Schäden im Hauptsiel 1 festgestellt – dem wichtigsten Zulaufkanal zur Kläranlage. Bei der Sanierung kamen auf einer Länge von ca. 875 m werksseitig hergestellte GFK-Rohre 2.110/1.260 mm zum Einsatz. Zudem gehörten die Kalibrierung, die Wasserhaltung, die Gerinnewiederherstellung und Angleichung in den angrenzenden Schächten, die Sanierung von Anschlussleitungen und die Erneuerung der Sinkkästenanschlüsse zum Sanierungsumfang.

Autorin: Ines Knaack (Aarsleff Rohrsanierung GmbH)
 

Grundstücksentwässerung in NRW – Lünen sieht Riesenchance für Umsetzung

Nach der Novelle des nordrhein-westfälischen Landeswassergesetzes zur Überwachung von Grundstücksentwässerungen sind die Reaktionen der Kommunen landesweit sehr unterschiedlich. Beim Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen (SAL) denkt man gar nicht daran, die intakte Grundstücksentwässerung als Thema von der Agenda zu streichen, wie es derzeit vielerorts geschieht. Im Gegenteil: Das Potenzial, das die novellierte Rechtslage bietet, wird zu einem Update des Lüner Modells genutzt, welches die Prüfung der Anschlusskanäle nun mit der Inspektion der öffentlichen Kanalisation verbindet.

Autor: Claus Externbrink (Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen (SAL))
 

Zustandsbewertung von Gasverteilungsnetzen mit nachgerüstetem KKS

Unter Anwendung des kathodischen Korrosionsschutzes (KKS) ergeben sich mit den heute zur Verfügung stehenden Messmethoden erhebliche Vorteile für die langfristige Planung und Instandhaltung der Leitungen und Leitungsnetze. Mit Blick auf die erweiterten Mess- und Bewertungsmöglichkeiten ist der KKS aufgrund der jederzeit zugänglichen Daten vom zu schützenden Objekt die Grundlage eines vollwertigen Pipelinemanagementsystems. Eine schadensbasierte Zustandsbewertung findet im Fall kathodisch geschützter Leitungen nur dann Anwendung, wenn bislang nicht geschützte Leitungsabschnitte nachträglich in den KKS überführt worden sind. Die Vorgehensweise ist im DVGW-Merkblatt G 403 berücksichtigt.

Autoren: Hans Gaugler, Torsten Schulze (beide SWM – Stadtwerke München)
 

Rohrleitungen der Extreme – Wasserkraftwerk Kaunertal mit neuem Druckschacht

Die TIWAG – Tiroler Wasserkraft AG modernisiert ihr rund 40 Jahre altes Kraftwerk Kaunertal. Maßgebliches Bauteil des Austausches ist der Druckausgleichsbehälter bzw. die Druckleitung. Sie ist 1.440 m lang und misst rund 4.400 mm im Durchmesser. Für die Schweißverbindungen an den extrem belasteten Rohren galt es, Lösungen zu finden, für die es bisher weder Vergleichsfälle noch Regeln gab. Mit kooperativer und umfangreicher Entwicklungsarbeit bestanden die beteiligten Unternehmen diese Herausforderung.

Autor: Jürgen H. Krenzer (OERLIKON Schweißtechnik GmbH)
 

Ertüchtigung von Brunnengalerien im Bestand – ein Erfahrungsbericht

An zwei Standortbereichen betreibt die KWL – Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH insgesamt vier Wasserwerke. Im Rahmen der schrittweisen Ertüchtigung der Rohwasserfassungen wurden in den vergangenen Jahren umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Diese beziehen sich insbesondere auf technische Lösungen zum standortangepassten wirtschaftlichen Betrieb der Brunnen und reichen von der Brunnenkonstruktion bis hin zu den Brunnenabschlussbauwerken. Trotz überwiegend mehr als 100-jährigem Förderbetrieb an den Gewinnungsstandorten erhöhen die gefundenen Lösungen die künftige Betriebssicherheit.

Autor: Sven Mauder (KWL – Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH)
 

Projektentwicklung für den Bau einer Erdwärmesondenanlage bei unbekannten geologischen Verhältnissen

Beim Neubau der Firma Schallenkammer Magnetsysteme mit Bürogebäude und Fertigungshalle nördlich von Würzburg sollten regenerative Energien genutzt werden. Geplant war der Bau einer Wärmepumpenanlage mit Erdwärmesonden zum Heizen und Kühlen. Die Planung gestaltete sich schwierig, da aufgrund der Lage des Grundstücks in einer geologischen Störungszone keine Informationen zu den geologischen und hydrogeologischen Verhältnissen am Standort verfügbar waren und die Genehmigungsfähigkeit grundsätzlich infrage stand. Mittels einer Pilotbohrung wurde eine geothermische Erkundung durchgeführt. Das Projekt konnte mit der Erstellung acht weiterer Erdwärmebohrungen mit einer Tiefe von jeweils 100 m für den Betrieb einer Wärmepumpe mit 38 kW Heizleistung schließlich erfolgreich realisiert werden.

Autorin: Dr. Verena Herrmann (GMP – Geotechnik GmbH & Co. KG Beratende Ingenieure und Geologen)
 

SMaRT-OnlineWDN – Frühwarn- und Sicherheitsmanagementsystem für die Wasserversorgung

Trinkwasserverteilungssysteme gehören zu den kritischen Bereichen der Infrastruktur und haben eine direkte Auswirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung. Sie sind somit gegen die Risiken einer beabsichtigten oder unbeabsichtigten Kontamination ganz besonders zu schützen. Zu diesem Zweck wurde das deutsch-französische Forschungsvorhaben SMaRT-OnlineWDN gestartet, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Agence national de la Recherche (ANR).

Autoren: Fereshte Sedehizade (Berliner Wasserbetriebe), Dr. Jochen Deuerlein (3S Consult GmbH), Dr. Andreas Korth, Reik Nitsche (DVGW-Technologiezentrum Wasser), Dr. Thomas Bernard, Dr. Christian Kühnert (Fraunhofer IOSB)