bbr 1/2015

Fachbeiträge der Ausgabe:

Technische Mitteilung Nr. 1/2015: Technische Regeln im Rohrleitungsbau

Mit Stand vom 31. Dezember 2014 hat der Rohrleitungsbauverband im Folgenden die aktuell gültigen Technischen Regeln im Rohrleitungsbau zusammengestellt. Damit kommt der Rohrleitungsbauverband e. V. seit vielen Jahren einem dringenden Anliegen der Branche nach. Damit liegt für den Gebrauch des Technischen Regelwerkes im Bau erdverlegter Rohrleitungen eine gute Hilfe vor. Es sei darauf hingewiesen, dass die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann und keine Gewähr für die Richtigkeit übernommen wird. Für Anregungen und Hinweise sind die Verfasser dankbar. Die in diesem Jahr neu erschienenen, überarbeiteten Regeln sowie die Veränderungen zur Vorjahresausgabe sind zur besseren Übersicht farbig markiert.

 

Aufbau eines Fernkältenetzes in der Münchner Innenstadt – Technische Umsetzung, Vorzüge und Herausforderungen

In den Innenstädten der Großstädte ist Platz knapp und teuer. Mit neuen Produkten wollen die Stadtwerke München helfen, wertvollen Raum einzusparen, der bislang für die Bereitstellung von Kälte erforderlich wurde – Fernkälte heißt hier das Schlüsselwort. Kälte wird an zentraler Stelle, abseits wertvoller Nutzflächen, erzeugt und über ein Leitungssystem zum Verbraucher gefördert. Die Trennung von Erzeugung und Nutzung ermöglicht auch den Einsatz alternativer Energiequellen.

Autor: Thomas Prein (SWM Services GmbH München)

 

Technologische Aspekte der grabenlosen Verlegung von Fernwärmeleitungen

Alternativ zur Verlegung im offenen Graben haben sich seit Ende der 1980er-Jahre zunehmend grabenlose Verlegeverfahren etabliert. Sowohl im Gas- und Wasserfach als auch bei der Verlegung von Abwasserkanälen finden solche Verfahren breite Anwendung. Das unter wissenschaftlicher Leitung des AGFW – Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V. unter Mitarbeit verschiedener Forschungspartner durchgeführte Projekt „Identifikation von Möglichkeiten und Grenzen grabenloser Verlegetechniken im Fernwärme-Leitungsbau“ soll Empfehlungen für den Einsatz grabenloser Verfahren auch im Fernwärmeleitungsbau vorantreiben. Durch die Befragung von ausführenden Firmen, die bereits über Erfahrungen mit der grabenlosen Verlegung von Fernwärmeleitungen verfügen – insbesondere von KMRLeitungen ohne Schutzrohr –, wird die praktische Ausführung detailliert beleuchtet.

Autor: Jürgen Krausewald (IAB – Institut Für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH)

 

Fernwärmetransportleitung unter der Müggelspree

Die Kraft-Wärme-Kopplung leistet einen relevanten Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung. Daher ist der Anteil der KWK an der Gesamtnettostromerzeugung in Deutschland in den letzten Jahren langsam aber stetig gewachsen. Auch in Berlin-Köpenick wird von der Vattenfall Europe Wärme AG die Erweiterung des Fernwärmenetzes geplant. So werden durch die spätere Fernwärmeleitung insgesamt 10.000 Wohneinheiten bei einer Vorlauftemperatur von 135 °C und einer Rücklauftemperatur von 55 °C versorgt. Im Zuge dieses Fernwärmenetzausbaus wurde zudem die Müggelspree westlich der Salvador-Allende-Brücke im HDDVerfahren mit zwei Fernwärmerohren gekreuzt.

Autorin: Edda Bockelmann (MOLL-prd GmbH & Co. KG)

 

Innovativer Werkstoff schützt neue Fernleitung am Chemiepark Marl

Vor den Toren des Chemieparks Marl entsteht eine neue Fernleitung – mit innovativem Material und reichlich technischem Know-how, damit flüssige Kohlenwasserstoffe ab 2015 sicher von der Raffinerie Scholven in den zehn Kilometer entfernten Chemiepark Marl gelangen. Die neue Doppel-Pipeline soll Arbeitsplätze sichern und Emissionen durch den Entfall von 25.000 Lkw-Fahrten pro Jahr senken. Bei den grabenlos verlegten Teilabschnitten der neuen Doppelleitung wird das Polyamid 12 „Vestamid NRG“ für die Umhüllung der Stahlrohre eingesetzt.

Autoren: Marc Stich, Markus Hartmann (beide Evonik Industries AG), Dr. Hans-Jürgen Kocks (Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH), Jürgen Höchst (Köster GmbH)

 

Erweiterter Einsatzbereich für duktile Gussrohre durch neues Beschichtungssystem

Seit mehr als zehn Jahren kommen für die Trinkwasserversorgung Rohre aus duktilem Gusseisen mit einem Außenschutz bestehend aus einer Zink-Aluminium-Legierung und einer Epoxidharz-Deckbeschichtung zum Einsatz. Dadurch hat sich der Anwendungsbereich duktiler Gussrohrleitungen gegenüber dem klassischen Überzug aus Zink erheblich erweitert. Insbesondere für inhomogene Bodenverhältnisse bietet das neue BioZinalium-Beschichtungssystem durch die Anreicherung mit Kupfer eine Lösung. Es verringert das Risiko mikrobiologischer Korrosion und erhöht damit die Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Korrosionsschutzes in schwierigen Bodenverhältnissen.

Autor: Kai Sengwitz (Saint-Gobain PAM Deutschland GmbH)

 

Liner-Sanierung von Leitungen zur Druckentlastung in Schweizer Wasserkraftwerk

Im Wasserkraftwerk Campocologno an der italienisch-schweizerischen Grenze wurden zwei hölzerne Entlastungsleitungen DN 1200, die ein Gefälle von 40 Prozent aufweisen, mittels Linern saniert. Zu den besonderen Herausforderungen dieser Maßnahme gehörte, dass sich die Baustelle auf gut 1.000 Meter Höhe und in steilem Gelände befand, was die Logistik erschwerte.

Autoren: Christian Noll, Nicolaus Dick (beide RELINEEUROPE AG)

 

Praktische Durchführung von Tracergastests zur Erkundung von Undichtigkeiten an Brunnen

Mikrobiologische Belastungen in Brunnenwässern führen meist zur Außerbetriebnahme der Fassung. Die Ursachenforschung gestaltet sich in der Regel sehr aufwendig. Mithilfe von Tracergastests können Undichtigkeiten in Brunnen oberhalb des Grundwasserspiegels direkt nachgewiesen werden. Die Vorgehensweise wird an praktischen Beispielen dargestellt.

Autor: Prof. Dr. habil. Christoph Treskatis (Bieske und Partner Beratende Ingenieure GmbH)

 

Dimensionierung von Erdwärmesondenfeldern und Temperaturfelddarstellungen mittels numerischer Software

Die Software „Geologik SF“ wurde speziell für Geothermieanwendungen entwickelt und schließt die Lücke zwischen analytischen und numerischen Softwarepaketen. Der numerische Modell-Ansatz ermöglicht die Berechnung von konduktivem und konvektivem Wärmetransport. Neben der Dimensionierung von Sondenfeldern können laufzeitabhängige prognostische Darstellungen der Temperaturfelder und – mittels Monitor-Nodes – Grenzbetrachtungen erstellt werden.

Autor: Clemens Lehr (Geotechnik Lehr)

 

Sauerstoffanreicherung von Sümpfungswässern mittels Ringkolbenventil-Tauchkanalbelüftung

Im Rheinischen Braunkohlenrevier betreibt die RWE Power AG die drei Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden. Für die erforderliche Grundwasserabsenkung betreibt die Wasserwirtschaft des Konzerns eine Vielzahl von Sümpfungsbrunnen, die meist im nahen Umfeld der Tagebaue für eine gezielte und kontinuierliche Reduzierung der Grundwasserstände eingesetzt werden. Durch geschickte Auswahl und Anordnung von Rohrleitungen und Rohrleitungsarmaturen können komplexe verfahrenstechnische Herausforderungen gelöst werden. Zugleich lassen sich hiermit sehr wirtschaftliche Ergebnisse mit gleichzeitigen Verbesserungen für die Umwelt erzielen. Für die Anreicherung von Sümpfungswasser mit Sauerstoff wurde eine (RKV-) Ringkolbenventil-Tauchkanalbelüftung vor der Einleitstelle in Bergheim-Thorr für Mengen bis zu 4,5 m³/s konzipiert und gebaut. Sie wird mit einer Leistung von rd. 100 Mio. m³/a betrieben.

Autoren: Martin Pöss (RWE Power AG), Heiko Albrecht, Ingo Schindler (beide RWE Power AG – Wasserwirtschaft)