bbr 1/2016

 

Fachbeiträge der Ausgabe:

Die Energie unter unseren Füßen: Projekte zur Abwasserwärmenutzung in Oldenburg

Die Rückgewinnung und energetische Nutzung der Abwasserwärme ist spätestens seit dem Jahr 2012 mit dem Betrieb einer gemeinschaftlichen Pilotanlage des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes und des Instituts für Rohrleitungsbau in Oldenburg angekommen. Seitdem hat sich dort im Bereich der Abwasserwärmerückgewinnung aus der Kanalisation einiges getan: So wurden wichtige Betriebsparameter näher untersucht, Netzwerke geknüpft und Potenziale im Stadtgebiet aufgezeigt. Konkret wurde im Jahr 2015 die größte Anlage dieser Art in Deutschland gebaut und inzwischen teilweise in Betrieb genommen. Eine zusammen mit dem iro und der Jade Hochschule am Standort Oldenburg entwickelte Potenzialstudie weist weitere mögliche Anlagenstandorte aus, von denen einige bereits in der Planungsphase sind oder kurz vor der Realisierung stehen.

Autoren: Axel Frerichs, Reinhard Hövel (beide Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband, Brake)

 

Möglichkeiten des Online-Monitorings von Daten der Vermessung und des Bauprozesses im Leitungstiefbau

Die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung in allen Bereichen des täglichen Lebens macht auch vor dem Bauwesen nicht halt. Online bereitgestellte Daten können flächendeckend über handelsübliche PCs, Tablets und Smartphones allen Projektbeteiligten, überall und ohne die Notwendigkeit aufwendiger Softwareinstallationen bereitgestellt werden. Der Beitrag beleuchtet die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten hinsichtlich des Monitorings von Projektfortschritt, Bauqualität und Auswirkungen der Baumaßnahme auf die Oberfläche exemplarisch am Einsatz eines Online-Monitoring-Systems beim Bau der schildvorgetriebenen Abschnitte des Abwasserkanals Emscher.

Autoren: Dr. Felix Nagel, Joachim Meyer (beide ZERNA Planen und Prüfen GmbH, Berlin), Carsten Machentanz (EMSCHERGENOSSENSCHAFT, Essen)

 

Anspruchsvolle Großprofil-Sanierung mit UV-lichthärtendem Liner in der historischen Altstadt von Tournai

Die Sanierung eines Abwasserkanals mit einem UV-lichthärtenden GFK-Schlauchliner im belgischen Tournai war für das Sanierungsunternehmen Godart ein technologisch wie auch logistisch höchst anspruchsvolles Projekt: Der gemauerte Kanal in einem unten rechteckigen und oben halbrunden Sonderprofil mit dem Durchmesser DN 960 an der zum UNESCO-Welterbe zählenden Kathedrale Notre-Dame war stark beschädigt. In einem ersten Schritt mussten die Sanierungsspezialisten in dem Kanal im Altrohrzustand III deshalb mit eingemauerten GFK-Halbschalen zunächst eine glatte elliptische Form schaffen, bevor der Liner mit einer tragenden Laminatschicht von 16,3 mm eingezogen werden konnte. Enge Schächte, Richtungsänderungen von zehn Grad und hoher Zeitdruck beim Einbau der Liner machten diese Baustelle zu einem Referenzprojekt für die grabenlose Sanierung.

Autoren: José Rotheudt (Godard S. s.p.r.l., Virginal/Belgien), Gunter Kaltenhäuser (RELINEEUROPE AG, Rohrbach)

 

580 m HDD in extrem schwierigem Baugrund

Im Auftrag des französischen Gasnetzbetreibers TIGF werden mittels Horizontalbohrtechnik 580 m Gasleitung DN 350 in einem Naturschutzgebiet unter dem Fluss Adour in Bernac-Debat (Südfrankreich) verlegt. Der Baugrund besteht aus Lagen von Sand- und Tonstein, Mergel sowie Kies mit Findlingen – eine Herausforderung für alle Projektbeteiligten.

Autor: Ernst Fengler (LMR Drilling GmbH, Oldenburg)

 

Einsatz von Fixierblöcken zur Lagesicherung von Rohren und Anschlüssen beim Close-Fit-Lining

Close-Fit-Verfahren werden seit Jahren erfolgreich zur Rehabilitation von Gas- und Wasserrohrleitungen bzw. zur Renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen eingesetzt. Die Close-Fit-Technik besteht im Wesentlichen darin, thermoplastische Kunststoffrohre aus Polyethylen durch Reduktion oder Verformung im Querschnitt zu reduzieren, um sie anschließend in das schadhafte Altrohr einzuziehen. Dabei wird der werkstoffeigene „Memory-Effekt“ von Polyethylen genutzt, um die Rohre nach dem Einzug wieder in ihre ursprüngliche kreisrunde Form rückzuformen.

Autor: Markus Engelberg (PLASSON GmbH, Wesel)

 

Praxiserfahrung beim Bau der Grundwasseranreicherungsanlage Lorscher Wald

Mit der Grundwasseranreicherung erfolgt eine zweck- und zielgerichtete Erhöhung des langfristig nutzbaren Grundwasserdargebots zur Sicherstellung der öffentlichen Trink- und Brauchwasserversorgung in der Metropolregion Rhein-Main. Der Einsatz von Grundwasseranreicherungsanlagen ist neben ihrem nachweislichen ökologischen Nutzen sehr kostenintensiv. Von besonderer Bedeutung ist daher, dass die bisher aus dem Anlagenbetrieb gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar in den Bau neuer Grundwasseranreicherungsanlagen einfließen. Behördliche Vorgaben und intensive Landnutzung erschweren die Umsetzung des Vorhabens.

Autoren: Dr. Hermann Mikat, Lilo Weber (beide Hessenwasser GmbH & Co. KG, Groß-Gerau/Dornheim)

 

Bestimmung des Wasseraufnahmevermögens von langjährig betriebenen Schluckbrunnen im Grundwasserwerk Hardhof, Zürich

Schluck- oder Infiltrationsbrunnen mit vertikalen oder horizontalen Filterstrecken werden in der Wasserwirtschaft zur punktuellen Grundwasseranreicherung verwendet. Sie tauchen mit ihrer Filterstrecke in das Grundwasser ein, sodass die Wasserzugabe direkt in den Grundwasserraum erfolgt. In Brunnengalerien können punktuelle Versickerungsanlagen auch als Linienanreicherung fungieren. Schluckbrunnen werden im Grundwasserwerk Hardhof für die Anreicherung des Grundwassers und zur Abwehr von unerwünschten Grundwasserzuflüssen aus den östlich und südlich gelegenen Stadtteilen Zürichs betrieben. Die Brunnen wurden erstmals seit einer Betriebszeit von mehr als 15 Jahren untersucht, um im Rahmen des Brunnenmanagements die spezifische Leistungsfähigkeit zu bestimmen. Ein weiteres Ziel der Untersuchung war die Bestimmung der räumlichen Lage der Abstromzonen aus den Filterstrecken der Schluckbrunnen in Relation zu den Entnahmehorizonten der Horizontalfilterbrunnen, die am Standort Hardhof zur Trinkwasserentnahme dienen.

Autoren: Prof. Dr. habil. Christoph Treskatis (Bieske und Partner Beratende Ingenieure GmbH, Lohmar), Alexander Betschart (Wasserversorgung Zürich)

 

Von der grünen Wiese zum Kraftwerk – Planung und Realisierung einer Geothermie-Anlage

Tiefe-Erdwärme-Heizkraftwerke stellen für die Projektbeteiligten höchste Anforderungen an Konzeption und Umsetzung. Die gec-co Global Engineering & Consulting-Company GmbH realisiert als „Owner’s Engineer“ am Standort Traunreut (Bayern) seit 2010 eine strom- und wärmeerzeugende Geothermie-Anlage mit bis zu 12 Megawatt Wärme- und 4,2 Megawatt elektrischer Leistung. Die Erfahrungen in Traunreut zeigen, wie eine frühe Planung Handlungsspielräume bei der Kraftwerksumsetzung schafft. Derzeit speist die Geothermie-Anlage bereits das zweite Jahr in Folge Wärme in das Fernwärme-Netz der Stadt Traunreut ein, Anfang 2016 soll die Stromerzeugung folgen.

Autor: Andreas Utz (gec-co Global Engineering & Consulting – Company GmbH, Augsburg)