bbr 6/2020

 

Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 6/2020:

Innenstadt-Entlastungsprogramm in Hamburg zeitnah abgeschlossen

Der Klimawandel und die zunehmende Flächenversiegelung fordern das Hamburger Sielnetz heraus. Starkregenereignisse führen das System an die Kapazitätsgrenzen und es kommt zu Überläufen von Mischwasser in die Gewässer. Um dem vorzubeugen, baut HAMBURG WASSER die städtische Kanalisation seit den 1980er-Jahren konsequent aus. Das größte Ausbauprogramm der letzten zehn Jahre, das sogenannte Innenstadt-Entlastungsprogramm, schließt der Ver- und Entsorger voraussichtlich im Herbst 2020 ab. Durch den Neubau von zwei Transportsielen und den Umbau des Bismarckstraßensieles im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel zu einem Speichersiel werden Redundanzen für den Umleitungsfall geschaffen, die Ableitung zum Klärwerk verbessert und vor allem das Rückhaltevolumen erheblich erhöht. In der Summe entlastet das Maßnahmenpaket die städtischen Innenstadtgewässer um 56 % Mischwasser

Autoren: Kai-Immo Grosskopf, Carsten Gottschlich (beide: HAMBURG WASSER)

 

Optimierte Wasserkraft gegen den Klimanotstand

Das Europäische Parlament hat Ende 2019 mit großer Mehrheit den Klimanotstand erklärt. Ohne Zweifel eine symbolische Handlung, aber auch ein starkes politisches Signal an Industrie und Wirtschaft, mit intelligenten Lösungen gerade im Bereich der Energiewirtschaft Innovationen weiter voranzutreiben. Im Wandel zur ökologischen Stromerzeugung erfahren Wasserkraftwerke eine wachsende Bedeutung zur Stabilisierung sogenannter Smart Grids.

Autor: Kay Miller (NIVUS GmbH)

 

Sicherer Rohrvortrieb durch maßgeschneiderte Hard- und Software

Die verfahrenstechnischen Grenzen des Rohrvortriebs haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Vortriebslängen von 800 m und darüber stellen keine Besonderheit mehr dar. Enge Kurven und S-Kurven erscheinen immer häufiger in den Ausschreibungen der Netzbetreiber und werden meist ohne größere Probleme aufgefahren. Der Grund für diese positive Entwicklung liegt nicht nur in dem stetig steigenden Erfahrungsschatz der meist spezialisierten Fachfirmen, sondern auch in der Integration maßgeschneiderter Hard- und Software in den Vortriebsalltag. Vorgestellt werden einige Hilfsmittel, die insbesondere die statische Sicherheit gewährleisten.

Autoren: Dr. Dietmar Beckmann, Beate Borchardt (S & P Consult GmbH)

 

Urbanisierung als Wachstumstreiber für den Spezialtiefbau

Rund um den Globus entstehen immer mehr Megacities mit 10 Mio. oder mehr Einwohnern. Als Folge dieser Urbanisierung verschärfen sich in den wachsenden Städten jetzt schon vorhandene, zentrale Probleme: Raum wird knapper und damit teurer, das Verkehrsaufkommen nimmt zu und die Energie- und Wasserversorgung muss den steigenden Bedürfnissen angepasst werden. Der Wohnraum verdichtet sich massiv, auf immer weniger Platz entstehen immer höhere Gebäude. Dies alles führt zu stetig größer werdenden Bauvorhaben, die der Bauwirtschaft und insbesondere den Spezialtiefbauunternehmen viele interessante Chancen bieten – wie auch die Projektbeispiele dieses Beitrages verdeutlichen.

Autorinnen: Anna Leib, Ruth Wallner, Katharina Weinmann (BAUER Gruppe)

 

Hochseeinsel Helgoland: Ertüchtigung und Modernisierung des Binnenhafens

Um die Uferbefestigung zu ertüchtigen und gleichzeitig die Attraktivität des Binnenhafens zu erhöhen, wurde im Bereich des Südostufers der Insel Helgoland eine neue Uferwand erstellt. Diese besteht aus einer Kombination von Tragrohren mit dazwischenliegenden Spundbohlen. Da bereits ab der Hafensohle massiver Fels ansteht, wurden für die Spundbohlen Austauschbohrungen (Ø 150 cm) hergestellt und mit Sand verfüllt. Für die 16 m langen Tragbohlen waren ebenfalls Bohrungen mit einem Durchmesser von 150 cm auszuführen.

Autor: Lutz Weigand (DEMLER Spezialtiefbau GmbH + Co. KG)

 

Geotechnische Erkundung und Gebirgsbewertung im Felsbau mit einem ultradünnen Ankerbohrlochscanner

Die genaue Kenntnis der geotechnischen Eigenschaften des Gebirges ist für die Planung und Konstruktion von unterirdischen Felsbauwerken von entscheidender Bedeutung. Eine neuartige und besonders effektive Methode für die Erkundung und Dokumentation des Gebirges ist die Inspektion von Ankerbohrlöchern mit einem speziellen, ultradünnen optischen Bohrlochscanner.

Autoren: Torsten Gorka, Stephan Peters (DMT GmbH & Co. KG)

 

Wesentliche Neuerungen in der überarbeiteten DIN 18305 für die Vergabe von Wasserhaltungsarbeiten

Die DIN 18305 für die Vergabe von Wasserhaltungsarbeiten wurde im Rahmen der Anpassung an die Entwicklung des Baugeschehens wesentlich überarbeitet. Insbesondere werden die Aufgaben des Auftragnehmers sowie des Auftraggebers für die Erstellung und den Betrieb der Wasserhaltungsanlage klarer geregelt. Dies betrifft u. a. die Auswahl und Dimensionierung der Anlagenteile, die Dokumentation und Kontrolle des Anlagenbetriebs, die Genehmigung der Anlage sowie die gegebenenfalls erforderliche Behandlung des geförderten Wassers. Dazu erfolgt eine Unterscheidung in offene und geschlossene Wasserhaltung. Die neuen Regelungen werden dargestellt, begründet sowie deren Konsequenzen beschrieben.

Autoren: Dr. Bernhard Odenwald (Bundesanstalt für Wasserbau), Günter Hettmannsperger (Beratender Ingenieur für Brunnenbau und Wasserhaltungsarbeiten)

 

Heizen und Kühlen eines Hotelbetriebes durch mitteltiefe Erdwärmesonden in einem Karstgrundwasserleiter

Beim Ausbau eines Luxus-Resorts in den Tiroler Alpen wurden insgesamt 3.600 m Doppel-U-Rohr-Erdwärmesonden in einem Karstaquifer verbaut. Das STOCK-Resort im Zillertal deckt seither einen erheblichen Teil seines Energiebedarfs mittels neun 400 m mitteltiefer Erdwärmesonden, die im Winter vor allem zum Heizen und im Sommer zum Kühlen eingesetzt werden. Vorgestellt werden neben den Rahmenbedingungen und technischen Details insbesondere auch die Betriebserfahrungen der seit knapp sieben Jahren in Betrieb befindlichen Anlage.

Autoren: Clemens Lehr (Geotechnisches Umweltbüro Lehr), Dr. Rafael Schäffer (Fachgebiet Angewandte Geothermie, Technische Universität Darmstadt), Friedl Kainzner, Josef Stock (Stock Resort), Prof. Dr. Ingo Sass (Darmstadt Graduate School of Excellence Energy Science and Engineering)