bbr 6/2021

 

Fachbeiträge der bbr-Ausgabe 6/2021:

 

Waldwasser sichert die Trinkwasserversorgung mit einem Düker durch die Donau

Mit einem Versorgungsgebiet von ca. 8.000 km² nördlich und südlich der Donau gehört der Zweckverband Wasserversorgung Bayerischer Wald, Waldwasser, zu den größten Wasserversorgern in Bayern. Um die Versorgungssicherheit im gesamten Versorgungsgebiet zu gewährleisten, hat der Verband einen Düker unter die Donau bei Deggendorf in Niederbayern verlegen lassen. Die neue Unterquerung des mächtigen Stroms erfolgt mittels umwelt- und ressourcenschonendem Horizontalspülbohrverfahren. Dieser Text erläutert, welche Herausforderungen von den beteiligten Unternehmen beim Bau zu bewältigen waren.

Autoren: Franz Meier (Pfaffinger Unternehmensgruppe), Hermann Gruber (waldwasser)

 

Energiedorf Lübesse – Grüner Strom für eine ganze Region

Bis vor wenigen Jahren klang die Idee, unbegrenzte Mengen an grünem Strom zu speichern, noch wie ein Wunschtraum. Wind und Sonne liefern zwar große Mengen an Energie, beide unterliegen aber den üblichen wetterbedingten Schwankungen. Eine stabile und nachhaltige Energieversorgung schien daher lange kaum möglich zu sein. Doch das Rostocker Unternehmen EXYTRON hat mittlerweile eine Lösung für das Problem gefunden: Für die Gemeinde Lübesse wird im zweiten Halbjahr 2021 mit dem Bau einer Energiefabrik begonnen. Ein derartiges Vorhaben ist ein weltweites Leuchtturmprojekt
im Zukunftsmarkt der erneuerbaren Energien. Es liefert beispielhafte Schritte und Erkenntnisse für die Sektorenkopplung in Mecklenburg- Vorpommern und auch über Deutschland hinaus.

Autoren: Anja Schreinert, Klaus Schirmer (EXYTRON GmbH)

 

Detektion von Fremdkontakten durch Baugeräte mittels Messtechniken des kathodischen Korrosionsschutzes

Statistiken belegen, dass Schäden an Rohrleitungen häufig durch Fremdeinwirkungen entstehen. Egal, ob die Leitungen dabei direkt beschädigt werden oder ob es durch die Beschädigung der Umhüllung zu Korrosion kommt: Wichtig ist, dass solche Fremdkontakte möglichst schnell detektiert werden. Ein Projekt zur Onlineüberwachung von Rohrleitungen hat vor diesem Hintergrund untersucht, ob KKS-basierte Messverfahren zur Feststellung entsprechender Beschädigungen genutzt werden können. Der Beitrag erläutert die Hintergründe und die Motivation des Vorhabens und stellt dessen zentrale Ergebnisse vor.

Autoren: Peter Frenz (Deutscher Verein des Gasund Wasserfaches e. V.), Dr. Hans-Jürgen Kocks (Mannesmann Line Pipe GmbH)

 

Der Weg von der Digitalisierung im Leitungsbau bis hin zu BIM

Die fortschreitende Digitalisierung bringt auch für die Leitungsbaubranche zunehmend Erleichterungen mit sich. In der Regel sind betriebswirtschaftliche Motive wie Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen die großen Treiber für den Einsatz digitaler Anwendungen. Aber auch steigende gesetzliche Anforderungen in allen Industriezweigen sind weitere Gründe dafür, dass der digitale Wandel im Tief- und Rohrleitungsbau immer weiter voranschreitet. Derart orientiert wurden mit der Zeit eine Vielzahl unterschiedlicher digitaler Systeme und Softwareprogramme entwickelt und in einigen Büro- und Baustellenprozessen bereits etabliert. Die somit vorhandenen digitalen Informationen zu den Rohrleitungen sind jedoch noch stark auf Anwendungen und Aufgabenstellungen in den einzelne Lebenszyklusphasen (Planung, Bau und Betrieb) beschränkt. Ein Austausch von digitalen Informationen zwischen den Handlungsbereichen ist mit Ausnahme der Instandsetzung von Abwasserkanälen, wo auf Basis einer regelmäßigen Zustandserfassung und darauf aufbauenden Instandhaltungsstrategien zum Teil seit Jahrzehnten ein standardisierter Austausch von Kanalinformationen zwischen den Anwendern und Dienstleistern existiert, nicht üblich.

Autoren: Mike Böge (iro GmbH Oldenburg), Andreas Hüttemann (Rohrleitungsbauverband e.V.), Dr. Frank Krögel (Bohlen & Doyen Bau GmbH)

 

Zuflussprofilierung in Bohrungen, Brunnen und Grundwassermessstellen

Die Kenntnis über vertikale Fließbewegungen in Bohrungen, Brunnen und Grundwassermessstellen ist für zahlreiche technische Fragen von entscheidender Bedeutung und stellt somit eine grundlegende Aufgabe bei bohrlochgeophysikalischen Untersuchungen dar. Unterschieden werden Grundwasserbewegungen ohne und mit Anregung. Die Untersuchungen erfolgen klassisch mittels Impeller-Flowmeter- Sonde oder bei sehr langsamen Fließbewegungen unter Einsatz von Tracern (Tracer- Fluid-Logging, kurz TFL). Im Folgenden werden die theoretischen Grundlagen dieser Methoden sowie ihre praktische Anwendung aufgezeigt. Auch der Einsatz einer Multiparametersonde der neuesten Generation, bestehend aus Impeller-Flowmeter sowie Sensoren für elektrische Leitfähigkeit, Temperatur und Druck, wird anhand eines Beispiels vorgestellt.

Autoren: Isabel Willwacher, Dr. Gunther Baumann (Bohrlochmessung - Storkow GmbH)

 

Impulse für eine Wärmewende mit Geothermie

Was kann die Bundesregierung in den nächsten Jahren tun, um Investitionen im Wärmebereich in Richtung Klimaneutralität zu lenken? Auf diese Frage hat ein Team aus den Fachausschüssen des Bundesverbandes Geothermie e. V. (BVG) für die Tiefe Geothermie, die Oberflächennahe Geothermie sowie für Wissenschaft und Bildung Antworten gesucht. In der Broschüre „Dialog Klimaneutrale Wärme – Zielbild, Bausteine und Weichstellung 2030/2050“ vom Februar 2021 stellte das Bundeministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zentrale Fragen für die zukünftige nachhaltige Energieversorgung Deutschlands und Europas. Der BVG hat diese Fragen nun aufgegriffen.

Autoren: Dr. André Deinhardt, Dr. Erwin Knapek (Bundesverband Geothermie e. V) et al.

 

Den Schatz in der Tiefe bergen: Wie sich das wirtschaftliche Potenzial der Tiefen Geothermie nutzen lässt

Mit der Tiefen Geothermie steht uns in Deutschland und weiteren Ländern Europas eine wertvolle Quelle erneuerbarer Primärenergie zur Verfügung. Doch wenn es an die konkrete Planung und Umsetzung von Projekten geht, ist der Blick oft auf das Fündigkeitsrisiko und die Kosten für die Bohrung verengt. Das enorme wirtschaftliche Potenzial hydrothermaler Geothermie erschließt sich jedoch erst über die differenzierte Betrachtung der Gesamtsituation und lässt sich nur durch kluge Planung und innovativen Technologieeinsatz ausschöpfen. Jeder Standort verlangt seine eigene, maßgeschneiderte Lösung. Gerade der Wärmeversorgung haben Investoren, Energieversorger und Unternehmen in diesem Zusammenhang bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt – zu Unrecht, wie das jüngste Projekt der gec-co Global Engineering & Consulting für ein Pharmaunternehmen in Belgien zeigt. Denn selbst unter schwierigen Bedingungen lassen sich wirtschaftlich tragfähige Lösungen schaffen.

Autoren: Maximilian James (gec-co Global Engineering & Consulting-Company GmbH), Carmen Achter (Redaktionsbüro Achter)

 

Geothermische Dublette in Schwerin fertiggestellt

Die mecklenburgische Landeshauptstadt Schwerin hat einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen Wärmeversorgung gemacht. Im März 2021 wurden die Bohrarbeiten an der Injektionsbohrung abgeschlossen und damit die geothermische Dublette im Stadtteil Schwerin-Lankow fertiggestellt. Der anschließende hydraulische Test konnte die hohen Erwartungen bestätigen. Die Fertigstellung der obertägigen Anlage ist für das kommende Jahr geplant.

Autoren: Frank Hoffmann, Paul Wagner, Dr. Marco Wunsch (Geothermie Neubrandenburg GmbH) et al.

 

Grüne Wärme aus großer Tiefe: Das Forschungsprojekt ZoKrateS

„ZoKrateS“ ist ein seit Anfang 2020 laufendes Forschungsprojekt, das sich mit der Nutzung der Tiefen Geothermie für die Wärmewende beschäftigt. Der Name steht für „Zonierte Reservoirbehandlung an natürlichen Kluftzonen in tiefliegenden Karbonaten zur Entwicklung eines petrothermalen Standortes in Deutschland“. Es handelt es sich um ein durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördertes Verbundprojekt mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Der Forschungsstandort ist eine Tiefbohrung von 5.700 m Bohrlänge südlich von München, nahe der Gemeinde Geretsried im Landkreis Wolfratshausen. Bei dem erschlossenen Reservoir handelt es sich um geklüftete Karbonate des Oberjura (Malm), der in München bereits erfolgreich geothermisch genutzt wird. Die Ruhr Universität Bochum koordiniert das Projekt, weitere Forschungspartner sind das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) aus Hannover, Geothermie Neubrandenburg GmbH (GTN), G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH und die Inhaberin des Erlaubnisfelds, die ENEX Geothermieprojekt Geretsried Nord GmbH & Co. KG.

Autoren: Prof. Dr. Inga Moeck, Rinke Tegeler (Leibniz Institute for Applied Geophysics), Dr. Michael Dussel, Prof. Dr. Tobias Backers (Ruhruniversität Bochum), Dr. Robert Straubinger (ENEX POWER GERMANY GmbH)