Über 500 Teilnehmer kamen zum Branchentreffpunkt in der Inselhalle Lindau zusammen. Foto: Christian Flemming

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Rückblick: 32. Lindauer Seminar

26 Referenten, 84 Aussteller und 518 Teilnehmer: Diese Zahlen zeigen, dass technisch intakte und zukunftsfähige öffentliche und private Entwässerungssysteme nach wie vor eine hohe wasserwirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche Bedeutung haben. Zu Beginn wurden auf dem diesjährigen Lindauer Seminar, das am 14. und 15. März stattfand, der Klimawandel als solcher sowie insbesondere seine Auswirkungen auf Struktur, Planung, Betrieb und Management von Entwässerungssystemen erörtert. Weitere Themenblöcke hatten die Finanzierung einer nachhaltigen Netzinstandhaltung und die damit in Zusammenhang stehenden erforderlichen personellen Ressourcen zum Inhalt. Erstmals und mit großem Erfolg fand auf dem Lindauer Seminar außerdem ein Ausstellerforum statt.

Im Laufe der Tagung wurden zunächst die aktuellen und zukünftigen Rahmenbedingungen aus politischer Perspektive aufgezeigt. Klaus Tappeser, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Tübingen, stellte dar, dass das Thema Klimawandel mit seinen neuen Herausforderungen in der Gesellschaft angekommen sei. Neben den Aufgabenfeldern einer Verwaltungsbehörde zur Entwicklung von Anpassungsstrategien beleuchte Tappeser im Besonderen die Maßnahmen der Wasserwirtschaft als Reaktion auf den Klimawandel. Im Fokus standen hierbei der Hochwasserschutz, das Hochwasserrisikomanagement, die Starkregenvorsorge, der Grundwasserschutz und die Wasserversorgung.

 

Angespannte Marktsituation

Im Folgenden wurden Strategien zur Netzinstandhaltung vor dem Hintergrund angespannter Marktsituation vorgestellt: Um als Netzbetreiber trotz Personalnotstand und überhitzter Baukonjunktur eine zunehmende Anzahl von Aufgaben und Baumaßnahmen bewältigen zu können, werden zunehmend Kooperationen mit privaten Generalunternehmen in Betracht gezogen. Dabei soll der externe Projektträger sämtliche Bauherrenfunktionen sowie die vollständige Bauherrenverantwortung übernehmen. Erste Erfahrungen dazu werden in den nächsten Jahren vorliegen und sicherlich Thema der kommenden Lindauer Seminare sein.

Diskutiert wurden darüber hinaus neue Möglichkeiten, die sich für den Netzbetreiber durch die Einführung von BIM, einer zunehmenden Digitalisierung bei Planung, Bau und Betrieb (Wasserwirtschaft 4.0) ergeben. So können Maßnahmen effizienter und mit hoher Qualität durchgeführt werden. Neben technischen Aspekten wurde dabei die Notwendigkeit der Weiterbildung und Qualifikation auf allen Seiten angesprochen: Der Weg müsse vom Entwässerungstechnologe hin zum Infrastrukturmanager führen!

 

Instandhaltung von Kanälen

Schwerpunkte des zweiten Seminartages waren Forschungsvorhaben zum Themenfeld der Kanalinstandhaltung. So wurden sowohl aus wissenschaftlicher Sicht als auch aus Betreiberperspektive Kosten und Nutzen von neuartigen Kanalreinigungssystemen und einer bedarfsgerechten Kanalunterhaltung unter Nutzung von Betriebsführungssystemen ebenso dargestellt wie der Stand der Forschung im Zusammenhang mit automatisierter Zustandserfassung von Kanalhaltungen. Im Weiteren wurde über Forschungsvorhaben zur strategischen Sanierungsplanung bzw. dem Asset Management sowie über aktuelle Warentests als unterstützendes Element zu Sanierungsplanung berichtet.

Zusammenfassend wurden also auch bei dem diesjährigen Lindauer Seminar alle Facetten einer zukunftsfähigen Siedlungsentwässerung aus Sicht der Gesetzgebung, der Betreiber, der Planer und der Anwender vorgestellt und von den Teilnehmern angeregt diskutiert. Das 33. Lindauer Seminar 2020 Praktische Kanalisationstechnik – Zukunftsfähige Entwässerungssysteme findet am 12. und 13. März 2020 in Lindau statt.

 

Autor: Prof. Karsten Kerres, FH Aachen

 

Weitere Informationen

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